KAPITEL DREI – Entstehung des Logos

Anlässlich einer großen Kunstausstellung, wo ich zum ersten Mal meine Arbeiten ausstellen sollte (im Dezember 1990), schlug mir der Kunstkritiker Roberto Sanesi, der mich im Katalog vorstellte, vor, meine Bilder anders als gewohnt zu signieren, da er meinte, eine vollständige Signatur passe gut zu den frühen Arbeiten mit figurativem Charakter, aber eignete sich weniger für die neueste Generation abstrakter Natur. Ich erinnere mich, ich war damals im Auto auf dem Weg nach Mailand, um Roberto zu treffen. Ich dachte darüber nach, was er mir zu meinem Namenszug gesagt hatte, und es kam wie eine Vision ganz klar über mich. Ich stellte mir meinen Namen und Vornamen in einem kleinen Rechteck vor. Ausgehend vom “R” war ich in der Lage, meinen ganzen Namen in ein kleines Rechteck einzuschreiben. Von extremer Einfachheit. Sanesi war begeistert von dieser Idee und ermunterte mich, von da an alle Werke so zu unterzeichnen.

Nachstehend der Text des Kritikers im Katalog jener ersten Ausstellung in Florenz:

“Es war ein langer Werdegang. Orsi scheint auf einer doppelten Ebene zu arbeiten, sein Werk zeigt ihn nicht wenig beunruhigt, gerade das hat die Kunst von Romeo Orsi bis hierher gebracht. Es gab zunächst die Versuchung der Figur, der Beschreibung einer Sache. Dann kommen die Erkenntnisse der Materie und des Körpers des Materials, der diffusen Farbe, beinahe die der Materie innewohnende Notwendigkeit, die in ihr wohnenden “Figuren” als Schatten zu extrahieren, als Spuren großer Früchte, von Planeten. Das Zeichen, das er zu zeichnen gewohnt war, Orsi hat entdeckt, dass er die Materie negativ pflügen konnte, bis er ein Teil von ihr war. In der heutigen Forschung, die wahrscheinlich (wie immer) kein Endpunkt ist, sondern nur ein Übergang, der sich in jedem Fall mit bereits bekannten Buchstaben präsentiert, scheint nun eine zweifache Hypothese zu dominieren: Das Zeichen und die Materie fast wie in einen Wirbelstrom hineingezogen, in einer Furie durch starke Gesten diktiert, die wahrscheinlich jeglichen Psychologismus eines informellen Generikums überholen möchte, um ihn vor allem in Energie umzuwandeln, und manchmal mit einer gewissen “Brutalität” von Energie; oder: Der Pinselstrich und die Materie versuchen, sich in Formen zu organisieren, wenn auch offen, in Bildern, die Strukturen, Objekte, Massen suggerieren, wenn auch nicht wirklich definierbar. Der Künstler zeigt deutlich, auch in den Titeln der einzelnen Werke, eine ausgesprochene Bindung mit Elementen aus der Natur, aber ziemlich synthetisch, oder bei  “Events”: LUCE ist ein Bild, das sich dem Glück der Farbe als Geste hingibt, INCENDIO dagegen ist ein Bild, wo sich die Masse, die Materie oder eine angebliche Architektur in einem visionären Feuer verbraucht.

ROBERTO SANESI XI 1999″

Romeo Orsi


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